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WisdomTree: Die wahre Herausforderung für die Fed

Die US-Notenbank (Fed) veröffentlichte am Mittwoch, den 19. August, detaillierte Protokolle ihrer Sitzungen vom 28. bis 29. Juli.

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Von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree


Zwar gab es keine überraschenden Änderungen in der Geldpolitik, aber es scheint, dass die Steuerung der Markterwartungen zu einem ungeschriebenen Mandat geworden ist, das sich die Fed angeeignet hat – zumal die gelpolitische Unterstützung zunehmend integraler Bestandteil des Wohlergehens der Vermögensmärkte geworden ist.

Was die Fed sagte

Die Fed bekräftigte ihre Bereitschaft, alle notwendigen Instrumente zur Unterstützung der USWirtschaft einzusetzen. Die wichtigsten Beobachtungen der Fed lauten wie folgt:

1. Der US-Leitzins wird bei 0 bis 0,25% gehalten.

2. Die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich in den letzten Monaten verbessert, aber es bestehen nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten.

3. Der Verlauf der Coronavirus-Pandemie ist nach wie vor ungewiss und birgt erhebliche Risiken für die Zukunft.

4. Die Geldpolitik wird auf der Grundlage der Entwicklung der Arbeitsmarkt- und Inflationsbedingungen bestimmt

5. Der Kreditfluss an Haushalte und Unternehmen wird im Grossen und Ganzen im derzeitigen Takt aufrechterhalten.

Wie der Markt reagierte

Bemerkenswert ist, dass im Protokoll der Fed eine explizite Anleitung zu zusätzlichen unkonventionellen geldpolitischen Stimuli fehlt. Die Zentralbank hat sich auch nicht in den Bereich der „Zinskurvenkontrolle“ begeben – ein Instrument, mit dem die Renditen von Staatsanleihen effektiv begrenzt werden könnten. Bei WisdomTree schätzen wir die Auswirkungen der Fed-Politik auf die Vermögensmärkte wie folgt ein:

1. Eine Fortsetzung der bestehenden Instrumente der geldpolitischen Anpassung zeugt von einer zurückhaltenden Haltung der Zentralbank. Angesichts der Ausweitung der Geldmenge und des Wachstums der Fed-Bilanz in diesem Jahr (siehe Abbildung oben) gehen wir nicht davon aus, dass die Fed in dieser Phase zusätzliche unkonventionelle Anpassungsinstrumente einsetzen wird.

2. Die Reaktion des Marktes war bisher verhalten. Aktien gaben am Donnerstag, dem 20. August, leicht nach, aber es scheint unwahrscheinlich, dass die globalen Aktienmärkte die Ankündigung der Fed als kämpferisch wahrnehmen. Die Renditen der Staatsanleihen sind nach wie vor niedrig, und der US-Dollar ist weiterhin schwach – beides Anzeichen für eine zurückhaltende Zentralbankpolitik.

3. Auch der US-Kongress und das Weisse Haus ringen derzeit über ein neues Konjunkturpaket. Eine solche Finanzspritze der Regierung wird eine wichtige Komponente für die künftige wirtschaftliche Erholung sein. Die US-Notenbank ist sich dessen bewusst und wartet möglicherweise diskret ab, wie sich das Konjunkturpaket entwickelt, bevor sie – zu Recht – sinnvolle Korrekturen an ihrem derzeitigen politischen Kurs vornimmt.

Die wahre Herausforderung der Fed

Die grösste Herausforderung für die Fed besteht in den kommenden Monaten (und Jahren) darin, einen Fahrplan für die Schliessung der Liquiditätsschleusen zu entwerfen. Zum jetzigen Zeitpunkt mag dies als ein „angenehmes Problem“ erscheinen. Aber angesichts der langen und variable Zeitspannen zwischen der Umsetzung der Politik und den Auswirkungen auf die Wirtschaft sind dies Fragen, über die die US-Notenbank jetzt nachdenken muss. Während ihre Aufgabe darin besteht, ein Höchstmass an Beschäftigung zu fördern und Preisstabilität zu gewährleisten, sind die Märkte in hohem Masse von der Zentralbank abhängig geworden, da sie als treibende Kraft fungiert. Da die Arbeitslosigkeit (derzeit 10,2% in den USA) zurückgeht und die Inflation (der US Core Personal Consumption Expenditure Index liegt derzeit bei 0,9%) näher an das von der Fed angestrebte Zielniveau von 2% heranrückt, wird die Zentralbank ihre Politik straffen müssen.

Das Hauptrisiko im obigen Szenario besteht darin, dass die Märkte unnötig verschreckt werden – wir erinnern uns an den „taper tantrum“ von 2013, als an den Märkten Panik ausbrach, nachdem die Fed angekündigt hatte, ihr Programm der quantitativen Lockerung zu unterbrechen. Der beste Weg für die Fed, ein solches Ergebnis zu vermeiden, besteht darin, die Markterwartungen mit einer sorgfältig artikulierten Prognose zu steuern. Wenn die Märkte – und nicht die Wirtschaft – die Geldpolitik diktieren, könnte die Fähigkeit der Fed, die Inflation zu kontrollieren, in den kommenden Jahren untergraben werden. Strategische Investoren, die sich gegen Inflation absichern, wie z. B.

Gold und breit gefächerte Rohstoffe, wären in einem solchen Szenario, in dem die US-Inflation über das von der Fed angestrebte Ziel von 2% hinausgehen könnte, gut positioniert.

Quelle: ETFWorld

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