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Konjunkturerholung in den USA, Stagnation in Europa

Brender Anton

Nach der Abschwächung der Konjunktur, die Mitte des Jahres 2011 in Folge der Krise der Eurozone begann, zieht die Wirtschaftstätigkeit in den Schwellenmärkten wieder an. „In diesen Märkten spricht aber nichts dafür, Wachstumsraten wie vor der Krise zu erwarten“, erklärt Anton Brender, Chefökonom von Dexia Asset Management (Dexia AM).

 

Anton Brender, Chefökonom von Dexia Asset Management (Dexia AM)


Weiter führt er aus: „Der Abbau des weltweiten Ungleichgewichts dämpft die Belebung, was noch einige Jahre anhalten wird.“ Folglich besteht eine reale Gefahr, dass die Schwellenländer versuchen, die Wechselkurse ihrer Währungen zu drücken, um die Konjunktur zu stärken.


Quelle: IWF

 

USA: Konjunkturerholung wird verstärkt von Realwirtschaft getragen
Die langsame Konjunkturbeschleunigung in den Schwellenländern dürfte sich positiv auf die US-Konjunktur auswirken. Dies vor allem, deshalb, weil sich seit der Jahrtausendwende die fertigende Industrie der USA, die spürbar von einem schwachen Dollar profitiert, besser entwickelt als ihre Hauptkonkurrenten. „Auch wenn der tiefe Preis für US-Erdgas Vorteile bringt, sollte dies – selbst für die energieintensiven Sektoren – vorerst nicht überbewertet werden. Allerdings werden im Laufe der nächsten Jahre Schieferöl und -gas den USA bezüglich Energie mehr Spielraum verleihen“, ergänzt Anton Brender.

 

Derweil nimmt bei den weniger begüterten privaten Haushalten trotz weiterhin strenger Kreditbedingungen die Vergabe von Darlehen schrittweise wieder zu. Gleichzeitig ziehen die Investitionen in Wohnimmobilien an und dürften damit wieder ihre Rolle als Wachstumsmotor übernehmen. Die Zunahme der Haushaltsvermögen, die durch die Erholung der Immobilienpreise und der Aktienkurse angetrieben wurde, dürfte dazu beitragen, dass die Haushalte ihre Sparquote auf dem aktuellen Niveau halten können. Entsprechend dürfte der Konsum sich parallel zur Lohnentwicklung verbessern. „Das aktuelle Tempo der Arbeitsmarkterholung ist diesbezüglich beruhigend. Für die US-Wirtschaft rückt ein realwirtschaftlich getragenes Wachstum in greifbare Nähe und sie scheint nun in der Lage zu sein, der aktuellen Straffung der Geldpolitik zu widerstehen“, folgert Anton Brender.

 

Dennoch ist die finanzpolitische Debatte noch lange nicht ausgestanden: Die Diskussionen zur Erhöhung der US-amerikanischen Schuldenobergrenze wurde nur für wenige Monate verschoben, und auch ein Kompromiss zur Senkung des langfristigen Ungleichgewichts bei den Gesundheitsprogrammen Medicare und Medicaid ist noch nicht gefunden. Eines allerdings ist sicher: Selbst wenn die Konjunktur von durchschnittlich 2 % im Jahr 2013 auf 2,5 % im Jahr 2014 steigt, wird die grosszügige Geldpolitik fortgesetzt.


Quelle: Thomson Datastream

 

Eurozone: Sparfalle bleibt reale Gefahr

Die im vergangenen Sommer angekündigte Einführung des OMT-Programms (Outright Monetary Transactions) durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat viel dazu beigetragen, die Spannungen auf dem Staatsanleihenmarkt zu lindern. Die Konjunktur gab jedoch weiter nach. Sämtliche Motoren des Binnenwachstums gerieten ins Stocken. Zudem wird die Nachfrage von den Unternehmen als schwach taxiert, was laut Florence Pisani, Ökonomin bei Dexia AM, „eine schnelle Zunahme der Investitionen höchst unwahrscheinlich erscheinen lässt.“ Dies gilt umso mehr, als Kreditkonditionen für Unternehmen, insbesondere für KMU, sich weiter verschlechtern. Auf dem Arbeitsmarkt schliesslich verschlechtert sich die Lage kontinuierlich, was den Konsum belastet. Dies ist für Florence Pisani wenig überraschend: „Die Tatsache, dass sowohl der öffentliche als auch der private Sektor gleichzeitig den Abbau der Verschuldung vorantreiben, verbesserte in den letzten Jahren die Bilanzen just zu einem Zeitpunkt, an dem die Welt aufhörte, Europas Exporte zu unterstützen!“

 

Auch wenn die Regierungen und die Europäische Kommission hinsichtlich Defizitabbau nun weniger ambitionierte Ziele akzeptiert haben, bleiben die strukturellen Anpassungsbemühungen die gleichen. In den peripheren Staaten jedoch ist es wenig wahrscheinlich, dass das Ausgabeverhalten des privaten Sektors kurzfristig Wachstum fördern wird, und auch in einigen der Kernländer könnte sich die Lage eintrüben. Im Durchschnitt dürfte 2013 die Konjunktur um 0,5 % nachgeben, während das Wirtschaftswachstum 2014 mit gerade einmal 0,6 % weiter schwach ausfallen dürfte. „Wenn kein Strategiewechsel stattfindet, bleibt die Konjunktur gefährlich schwach, und das Risiko, in die Sparfalle zu geraten, wird für eine zunehmende Anzahl von Ländern der Eurozone zu einer realen Gefahr“, warnt Florence Pisani: Bislang allerdings ist die EZB mutig vorgegangen und wird auch weiterhin alles unternehmen, was nötig ist, um den Euro zu retten … schliesslich hat sie fast keine anderen Möglichkeiten, die Wirtschaft anzukurbeln.

 

Quelle: ETFWorld – Dexia Asset Management

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