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ETF World Interviews: Karin Russell-Wiederkehr – Amundi Switzerland

Der ETF-Markt erlebt einen Moment großer Euphorie. Das Jahr startete mit Rekordzahlen, die die hervorragenden Ergebnisse, die im Jahr 2017 verzeichnet wurden, übertreffen…..

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Karin Russell-Wiederkehr, Head of Amundi ETF, Indexing & Smart Beta Sales – Amundi Switzerland

28 May 2018  ETFWorld – All rights reserved 


ETFWorld: Welche Themen werden Ihrer Meinung nach in diesem Jahr von den Investoren bevorzugt und warum?

Karin Russell-WiederkehrAktuell wollen Investoren ihre Portfolios auf ein volatileres Kapitalmarktumfeld ausrichten. Eine weniger lockere Zentralbankpolitik, geopolitische Spannungen, anspruchsvolle Bewertungen und technische Herausforderungen, wie zum Beispiel eine geringere Liquidität, haben die Volatilität bereits seit Jahresbeginn steigen lassen.

Mit Blick auf dieses Szenario haben sich europäische Anleger tendenziell für weniger risikoreiche Investments, wie beispielsweise marktneutrale Strategien, entschieden. Im Fokus standen auch ETFs auf US-Aktien, denen in Europa seit Jahresbeginn bis Ende April mehr als 5,5 Milliarden Euro zugeflossen sind. Auf der Bond-Seite beobachten wir ebenfalls einen klaren Trend hin zu mehr Sicherheit.

So zogen Anleger aus ETFs auf Unternehmensobligationen in Europa im gleichen Zeitraum rund 2,6 Milliarden Euro ab und investierten im Gegenzug 4,6 Milliarden Euro in Staatsanleihe-ETFs, wobei ETFs auf US-Papiere besonders gefragt waren. Eine Ausnahme waren ETFs auf variabel verzinsliche Unternehmensobligationen. Ihnen flossen in Europa seit Jahresbeginn fast 1 Milliarde neuer Mittel zu.

ETFWorld: Sie erwähnten gerade variabel verzinsliche Unternehmensanleihen beziehungsweise Floating-Rate-Notes. Welche Vorteile bringen diese ETFs den Anlegern?

Karin Russell-WiederkehrEin Floating Rate Note ist eine Obligation mit einem variablen Zinssatz, dessen Kupon sich aus einem Referenzzinssatz und einem festen Spread zusammensetzt. Steigt oder fällt der Referenzzinssatz, ändert sich der regelmässig angepasste Kupon entsprechend. Floating-Rate-Note-ETFs werden vor allem von Anlegern gekauft, die sich gegen Zinserhöhungen wappnen möchten.

So trägt die geringe Duration dieser Papiere dazu bei, dass sich Anleger einerseits gegen die Auswirkungen steigender Zinsen absichern können. Andererseits ermöglicht es der regelmässig angepasste Kupon, Renditechancen zu nutzen. Amundi bietet verschiedene Floating-Rate-Note-ETFs an. Dazu zählen ETFs auf US-Dollar-Floater, die mit und ohne CHF- und Euro-Währungsabsicherung gehandelt werden, sowie einen Floating-Rate-Note-ETF auf Euro-Unternehmensanleihen.

ETFWorld: Aus Produktsicht haben wir verschiedene Themen gesehen, die über die Jahre bis hin zu den Smart-Beta-ETFs entwickelt wurden. Denken Sie, dass neue Themen eingeführt werden oder werden nur die bestehenden Themen verfeinert, und mit welcher Motivation?

Karin Russell-Wiederkehr: Ich denke, wir werden beides sehen. Es werden neue ETF-Themen entwickelt und gleichzeitig bestehende verfeinert. So haben wir kürzlich einen neuen innovativen ETF entwickelt, der den Zugang zu einer marktneutralen Multifaktor-Europa-Aktienstrategie ermöglicht. Hintergrund ist, dass Aktien für viele Anleger zu volatil sind – vor allem, wenn sie stabile Erträge erzielen wollen.

Die neue Strategie kombiniert daher zwei gegenläufige Aktienmarktpositionen in einem UCITS-ETF. Die Long-Seite besteht aus sechs Faktoren des europäischen Aktienmarkts und die Short-Seite aus einer Short-Position europäischer Aktien-Futures. Die Kombination dieser beiden Positionen ergibt ein marktneutrales gehedgtes Aktienportfolio mit der Chance auf langfristig überdurchschnittliche Renditen bei einer mit Bonds vergleichbaren Volatilität. Im ersten Quartal 2018 hat dieser ETF bei schwankungsanfälligeren Märkten bewiesen, dass er hält, was er verspricht. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass der ETF seit seiner Lancierung im November 2017 bereits fast 600 Millionen Euro eingesammelt hat.

Auch im ESG-Segment erwarte ich neue ETFs. Es gibt zwar bereits einige erfolgreiche Produkte, wie unseren Low Carbon ETF, der den MSCI Low Carbon Leaders Index abbildet. Wegen des wachsenden Kundeninteresses rechne ich damit, dass wir sowohl bei Aktien- als auch bei Obligationen-ETFs in diesem Bereich Innovationen sehen werden.

ETFWorld: Prognosen sprechen von einem ETF-Markt, der seine Größe in fünf Jahren verdoppeln sollte. Wo sehen Sie Ihre Position in fünf Jahren und welche Maßnahmen planen Sie, um ein Wachstum aufrechtzuerhalten, das dem des Marktes entspricht oder darüber hinausgeht?

Karin Russell-WiederkehrWir haben 2017 ein organisches Wachstum von 50 Prozent erreicht und verfolgen weiterhin ehrgeizige Ziele. Als einer der führenden ETF-Anbieter werden wir auch in den kommenden Jahren Produktinnovationen vorantreiben. Um Investoren bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen des Marktes zu unterstützen, stehen dabei vor allem Obligationen- und Smart-Beta-ETFs im Fokus. Wir planen auch, die Marktdurchdringung im Privatkundengeschäft zu beschleunigen.

Obwohl die institutionelle Nachfrage weiterhin stark ist und sich ETFs sowohl für die strategische als auch die taktische Asset-Allokation als nützlich erweisen, steigt die Nachfrage auch im Privatkundengeschäft. Insbesondere wettbewerbsfähige Kosten und eine höhere Transparenz ziehen Investoren an, wobei MiFID II die Nachfrage nach ETFs zusätzlich ankurbeln wird. Amundi wird weiterhin ETF-basierte Lösungen für Vertriebsnetze und -plattformen entwickeln. Dabei können wir die langjährigen Beziehungen der Amundi-Gruppe zu Vertriebspartnern sowie die Fähigkeit nutzen, unsere Partner bei der Entwicklung spezieller Tools (z. B. Schulungen, Allokationstools) zu begleiten.

ETFWorld:  Der Markteintritt neuer Emittenten und die fortlaufende Notierung neuer ETFs drücken einerseits die Agilität des Marktes aus. Andererseits besteht das Risiko, dass die Wahl der Anlageinstrumente komplizierter wird. Was werden Sie tun, um dem institutionellen Investor bei seinen Entscheidungen zu helfen?

Karin Russell-Wiederkehr: Der europäische ETF-Markt ist dynamisch und weist ein stetiges Wachstumstempo sowie eine steigende Kundennachfrage auf. Es ist insofern nicht erstaunlich, dass Neueinsteiger auf diesen Zug aufspringen wollen. Für Anleger ist der Wettbewerb mit Blick auf ein breiteres Produktangebot und den Druck auf die Kosten von Vorteil.

Gleichzeitig sollten Investoren bei der Auswahl ihres Anbieters auf einige Aspekte achten, die einen spürbaren Unterschied ausmachen können. Zunächst einmal die Solidität des Anbieters: Amundi ist bezogen auf die verwalteten Assets der grösste Vermögensverwalter Europas und gehört zu den Top 10 weltweit. Wir sind einer der führenden Player im ETF-Markt und eine Referenz für Investoren bei der Umsetzung ihrer Asset Allocation.

Das von der Amundi-Gruppe verwaltete Anlagevermögen erlaubt es uns, Investoren kostengünstige Produkte anzubieten. Zudem sind wir dank unserer Kapazitäten in den Bereichen Forschung und Innovation in der Lage, auf spezifische Kundenbedürfnisse einzugehen. Last but not least ist die Breite unseres Angebots ein weiteres Plus. Investoren haben über unser Angebot Zugang zu einer Vielzahl von Märkten in den Bereichen Aktien, Obligationen und Smart Beta und können sich mit diesen auch bei sich veränderten Marktbedingungen passgenau positionieren.

Quelle: ETFWorld

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