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ETF World Interviews: Christian Gast – BlackRock Schweiz

Der ETF-Markt erlebt einen Moment großer Euphorie. Das Jahr startete mit Rekordzahlen, die die hervorragenden Ergebnisse, die im Jahr 2017 verzeichnet wurden, übertreffen…..

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Christian Gast, Leiter iShares und Index Investing bei BlackRock Schweiz

04. Juni 2018  ETFWorld – All rights reserved 


ETFWorld: Welche Themen werden Ihrer Meinung nach in diesem Jahr von den Investoren bevorzugt und warum?

Christian Gast:   „Bei der Nachfrage erkennen wir fünf grosse Produkttrends.

Erstens Core-ETFs, die Zugang zu besonders beliebten Anlageklassen und Märkten bieten, etwa auf den MSCI World oder den S&P 500, und dabei mit Gebühren zwischen 0,07 und 0,2 Prozent besonders kostengünstig sind.

Zweitens Obligationen-ETFs, die zunehmend als Alternative zu Einzelemissionen zum Einsatz kommen. Grund dafür sind vor allem die höhere Liquidität gegenüber Einzelobligationen sowie der breite Marktzugang.

Drittens Faktor-ETFs, die auf besonders effiziente Weise Zugang zu Rendite-Stilfaktoren wie günstige Bewertung (Value), positive Kursdynamik (Momentum), geringe Volatilität (Minimum Volatility), Unternehmensqualität (Quality) und kleinere Unternehmen (Size) bieten.

Viertens Themen-ETFs, die Renditechancen mit einer überzeugenden langfristigen Story verbinden. Dazu gehören Anlagechancen, die sich aus Megatrends ergeben, etwa in den Bereichen Robotik, Digitalisierung, alternde Bevölkerung, Innovationen im Gesundheitswesen und Biotechnologie. Und fünftens Produkte auf ESG- und Impactstrategien, die finanzielle und soziale Rendite kombinieren.

Dazu gehören zum einen Lösungen wie unsere SRI-Familie, die Positiv- und Negativfilter nutzt, um etwa Umwelt- und Corporate-Governance-Risiken ohne Performanceeinbussen zu minimieren. Zum anderen gehören dazu Lösungen auf bestimmte Nachhaltigkeitsthemen wie Trinkwasserversorgung und erneuerbare Energien.“

ETFWorld: Aus der Sicht des Produkts haben wir verschiedene Themen gesehen, die über die Jahre bis hin zu den Smart-Beta-ETFs entwickelt wurden. Denken Sie, dass neue Themen eingeführt werden oder werden nur die bestehenden Themen verfeinert, und mit welcher Motivation?

Christian Gast: : „Entscheidend ist aus unserer Sicht der Mehrwert für den Investor. Dementsprechend überprüfen wir unsere bestehende ETF-Palette mit mehr als 300 Produkten fortlaufend. Erkennen wir zusätzlichen Bedarf, ergänzen wir unser Angebot gezielt.

Gerade die Währungsabsicherung gegenüber dem Franken ist nach wie vor sehr gefragt. Deswegen haben wir kürzlich ein neues Anteilsklassenkonzept lanciert, welches erlaubt, auch für kleinere Volumina Anteilsklassen mit Währungsabsicherung, Ausschüttung oder Akkumulierung anzubieten. Zudem planen wir für dieses Jahr, unser Angebot im Bereich Nachhaltigkeit, Schweizer Aktien und globale Obligationen zu erweitern. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass gerade im Fixed-Income-Bereich noch Raum für innovative Indexstrategien besteht – zum Beispiel marktkapitalisierungsgewichtete Indizes auf Staatsobligationen, die einen Kreditqualitätsfilter anwenden.“

ETFWorld: Die Voraussichten sprechen von einem ETF-Markt, der seine Grösse in fünf Jahren verdoppeln müsste. Wo sehen Sie in fünf Jahren Ihre Positionierung und welche Massnahmen planen Sie, um ein Wachstum aufrechtzuerhalten, das dem des Marktes entspricht oder darüber hinausgeht?

Christian Gast: : „Die Erfolgsstory der ETFs mit Wachstumsraten in Europa von aktuell 15 Prozent pro Jahr wird sich aus unserer Sicht in den kommenden Jahren fortsetzen. Wir erwarten deshalb, dass sich das verwaltete Vermögen in ETFs in Europa in den nächsten fünf Jahren auf dann zwei Billionen Dollar mehr als verdoppeln wird. Als globaler und europäischer Marktführer ist es unser Anspruch, dieses Wachstum im Interesse unserer Kunden zu gestalten.

Bei unserer Positionierung am Markt spielen unserer Erfahrung nach vor allem drei Aspekte eine Rolle: Erstens unsere Erfahrung. iShares gibt es seit dem Jahr 2000. Damit waren wir einer der ersten ETF-Anbieter überhaupt, und wir haben uns das Vertrauen der Investoren über fast 20 Jahre erarbeitet. Zweitens verwalten wir als Weltmarktführer die höchsten Volumina in ETFs. Das führt zu engeren Spreads und höherer Liquidität und ermöglicht es institutionellen Kunden, auch grosse Beträge problemlos zu investieren. Drittens überzeugen wir mit unserer Produktphilosophie. Das heisst: Wir bleiben dabei, unseren Kunden Anlagemärkte effizient und transparent zu erschliessen.

Dabei wird sich das Wachstum künftig zwischen ETFs und klassischen Indexfonds aufteilen. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, bieten wir auf unserer irischen und Schweizer Plattform neben ETFs neu auch Indexfonds an. Diese Plattform umfasst neben 30 irischen UCITS-konformen Indexfonds bereits neun Indexfonds mit Domizil Schweiz.“

ETFWorld: Das Aufkommen neuer Emittenten und die fortlaufende Notierung neuer ETFs drücken zum einen die Lebhaftigkeit des Marktes aus, zum anderen riskieren sie, die Wahl der Instrumente, in die investiert werden soll, zu komplizieren. Was tun Sie oder werden Sie tun, um dem institutionellen Investor bei seinen Entscheidungen zu helfen?

Christian Gast: „Exzellenter Service für unsere Kunden ist uns ebenso wichtig wie ein bedarfsgerechtes Produktangebot. Daher unterstützen wir unsere Kunden gern bei der Selektion des für sie optimalen Anlagevehikels. Gerade der Differenzierung zwischen ETFs und klassischen Indexfonds wird unserer Ansicht nach am Schweizer Markt noch zu wenig Rechnung getragen.

Auf unserer Schweizer Plattform bieten wir beide Produktarten an. Dadurch sind wir in der Lage, die Portfolios unserer Kunden holistisch zu betrachten und Investoren bestmöglich zu unterstützen. Auch wenn die Anlagephilosophie beider Vehikel die gleiche ist, gibt es doch einige spezifische Unterschiede, die es bei der Produktselektion zu beachten gilt: Für lang­fristige Kern­anlagen können Index­fonds aufgrund ihrer tieferen laufenden Kosten sinnvoll sein. Für taktische Anlagen, handels­inten­sive Anlage­strategien und spezi­fischere Allo­kationen sind ETFs aus Kosten- und Verfüg­bar­keits­gründen mitunter die optimale Lösung. Investoren schätzen diese Optimierungsmöglichkeit innerhalb des indexierten Anlageuniversums sehr. Das führt dazu, dass ihre Portfolios zunehmend aus einem Mix aus ETFs und Indexfonds bestehen.“

ETFWorld: Die Kryptowährungen sind ein Thema, das jetzt eine enorme Popularität erreicht hat, auch wenn sie oft nur oberflächlich bekannt sind. In den Vereinigten Staaten wird von einem ETF gesprochen, der mit Bitcoin in Beziehung steht. Glauben Sie, dass ein ETF, der sich auf eine Kryptowährung bezieht, jemals notiert werden wird und warum?

Christian Gast: „Wie zuvor erwähnt, ist bei Produktinnovationen unserer Ansicht nach in erster Linie der Mehrwert für Anleger ausschlaggebend, sprich dass ein ETF effizienten Marktzugang bietet und dementsprechend auf Bedarf von möglichst vielen Kunden trifft. Zudem muss der zugrundeliegende Markt als ETF darstellbar sein, etwa im Hinblick auf seine Tiefe und Liquidität. Bitcoin und andere Kryptowährungen mögen momentan eine faszinierende Spielwiese sein, aber sie erfüllen diese Kriterien unserer Ansicht nach nicht. Daher sind entsprechende ETFs für uns momentan schwer vorstellbar.“

ETFWorld: ETFs sind im Vergleich zu anderen Anlagevehikeln sehr günstig. Wie stehen Sie als Anbieter zur anhaltenden Kostendebatte?

Christian Gast: : „Aus unserer Sicht konzentriert sich die Kostendebatte zu sehr auf die Gesamtkostenquote – auf Englisch: Total Expense Ratio, kurz TER. Diese Zahl greift unseres Erachtens zu kurz, denn sie berücksichtigt eine ganze Reihe von Kosten nicht. Dazu gehören zum Beispiel Transaktions- und Rebalancing-Kosten, Swapkosten bei derivativ repli­zierenden ETFs, Geld-Brief-Spannen, Kommissionen oder Stempelsteuern. Auf der Ertragsseite berücksichtigt die TER mögliche Erträge aus der Wertschriftenleihe nicht. Investoren wollen wissen, was ein Vehikel sie insgesamt kostet, sprich beim Erwerb, während der Haltedauer und beim Verkauf. Die Gesamtbetriebskosten – auf Englisch: Total Cost of Ownership (TOC) – umfasst all diese Aspekte. Das macht sie deutlich aussagekräftiger und sorgt für zusätzliche Kostentransparenz.“

Quelle: ETFWorld

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