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Adjustierung der taktischen Positionierung

Kumada Mikio

Die jüngsten Marktturbulenzen haben die konstruktive Grundsituation insgesamt nicht verändert und wir bleiben daher bei Aktien übergewichtet. Die neuesten Ereignisse in China könnten allerdings den anhaltenden Anlegerexodus aus den Schwellenländern weiter beschleunigen und so bauen wir in diesem Segment Aktien erneut ab. Den Anstieg der langfristigen US-Anleihenrenditen halten wir für übertrieben und positionieren uns für eine Gegenbewegung………

Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management


Erneute Überprüfung der Ereignisse der letzen Wochen
Im Zuge der jüngsten Finanzmarktturbulenzen haben wir die wesentlichen Ereignisse der letzten Wochen noch einmal überprüft. Der geldpolitische Ausschuss der US-Notenbank Federal Reserve hat sich am 22. Mai und 19. Juni primär mit Szenarien des Zurückfahrens der «quantitativen Lockerung» beschäftigt (gegenwärtig kauft sie monatlich Staats- und Hypothekaranleihen im Umfang von 85 Mrd. US-Dollar). Am vergangenen Mittwoch (19. Juni) präsentierte Notenbankchef Ben Bernanke zudem einen genaueren, aber keinesfalls weniger konditionalen, Zeitplan für den möglichen geldpolitischen «Rückzug».

Viele Anleger sehen Risiko eines vorzeitigen geldpolitischen Entzugs
Seit Ende Mai haben einige Investoren begonnen, den möglichen Rückzug als eine «beschlossene Sache» anzusehen. So sind die Renditen langfristiger Anleihen seitdem deutlich gestiegen, während zinssensitive Anlagen wie Aktien zum Teil stark korrigiert haben. Der US-Dollar neigte gegenüber den meisten Währungen weiter zur Stärke. Dieses Marktmuster hat sich auch nach der zweiten Fed-Sitzung vom letzten Mittwoch gehalten (mit Ausnahme japanischer Aktien, die sich inzwischen stabilisiert haben).

Marktausblick bleibt grundsätzlich konstruktiv
Wir bleiben dabei: Diese jüngsten Marktbewegungen stellen eine Übergangsphase dar. An den Aktienmärkten handelt es sich nach unserer Einschätzung um eine «normale Korrektur», während wir es im Bereich der langfristigen Anleihenrenditen möglicherweise mit einer einsetzenden Normalisierung zu tun haben. Nicht wenige Investoren dürften sich zu sehr mit der Idee der ewig sinkenden und extrem tiefen Zinsniveaus angefreundet haben. So dürfte der jüngste Anstieg der zehnjährigen amerikanischen Anleihenrenditen um einen Prozentpunkt auf 2.6% wie ein Schock gewirkt haben, der daran erinnert, dass die Höhe der Umlaufrenditen von Anleihen unter normalen, interventionsfreien Bedingungen von den Faktoren Wirtschaftswachstum, Inflationserwartung und Ausfallrisiko bestimmt werden müsste. Sollten sich die optimistischen Konjunkturprognosen der Fed, wie von einigen mittelfristigen Marktindikatoren suggeriert wird, tatsächlich bewahrheiten, dann dürfte der jüngste Renditeanstieg auf mittlere Sicht kein Problem darstellen. Grössere geldpolitische Wenden fanden zuletzt 1994 und 2004 statt. Auch diese lösten Anfangs temporäre Turbulenzen aus, gefolgt von starken, mehrjährigen Aktienhaussen (vgl. S. 2, im PDF).

Kauf langfristiger Staatsanleihen. Aktien bleiben übergewichtet

Andererseits gibt es auch Anzeichen dafür, dass der von dieser «Entzugsangst» getriebene Renditenanstieg zumindest temporär zu weit gegangen ist. Die tatsächlichen und erwarteten Inflationsraten befinden sich seit Monaten auf dem Rückzug und Bernanke hat mehrfach klargestellt, dass der Ausstieg im Falle einer enttäuschenden Konjunkturentwicklung verschoben werde. Technische Indikatoren suggerieren zudem, dass US-Anleihen jetzt «überverkauft» und somit bereit für eine Gegenbewegung sind. Wir haben daher beschlossen, den Anteil langfristiger US-Anleihen in unseren Strategien zu erhöhen (die Anlageklasse «Fixed Income» bleibt aber untergewichtet).

Bei Aktien behalten wir unsere Übergewichtung bei: Entweder gewinnt die US-Konjunktur wieder an Schwung, oder eben nicht – im letzteren Fall dürften die übertriebenen «Entzugsängste» zurückgehen, was die Aktienmärkte ebenso gut stützen müsste. Problematischer erscheint uns allerdings die jüngste Kreditklemme in China. Zwar hat China seit Ende 2010 eine Reihe ähnlicher Episoden erlebt und letztlich gemeistert, ohne grosse internationale Probleme zu verursachen (Grafik 2, Seite 2 im PDF). Die neuesten Entwicklungen in China dürften aber den existierenden Kapitalflüsse von den Schwellenländern zurück zu den Industrieländern nur weiter bestärken. Wir haben daher beschlossen, unsere Exponierung gegenüber dieser Aktienkategorie weiter abzubauen.

Quelle: ETFWorld – LGT Capital Management

 

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